Das BWT Racing Point F1 Team vertraut mir ihren Boliden an…

560kg, 700 PS – das modernste Fahrzeug der Erde. Das Fortschrittlichste, was Technologie bis heute herausgebracht hat. Es ist der Everest im Motorsport und ich hatte die Ehre, dass mir dieses Auto anvertraut wurde… ein sehr exklusives Abenteuer, das nur sehr wenige Menschen jemals erleben dürfen.

Es ist schon einige Jahre her, als ich in Le Luc in Südfrankreich mit einem Formula Renault auf einer kleinen Rennstrecke die ersten Runden gedreht habe. In der Zwischenzeit habe ich mehrere Kurse mit F4 und Formula Renault gemacht…

Obwohl mein Lieblingsauto auf der Rennstrecke der BMW GT4 ist, zieht es mich immer wieder mit Freude zu den Formula Boliden hin und als vor einigen Monaten ein Angebot von einem guten Bekannten hereinflatterte, musste ich sofort zusagen.

Es ging dabei um ein F1 Training auf dem berühmten Circuit Paul Ricard in Le Castellet in Südfrankreich – einer bekannten Rennstrecke, auf der auch die F1 schon öfter Halt gemacht hat. Es ist ein Training, wo man die Rennstrecke in einem F4 in mehreren Sessions kennen lernt, am Nachmittag einige Runden mit dem F1 von Alpine F1 Team dreht und zum Schluss noch eine Taxifahrt mit einem F1 Fahrer macht – einem F1 Bolide, der zu einem Zweisitzer ausgebaut wurde.

Es ist ein langer und anspruchsvoller Tag, der sehr früh beginnt. Das Winfield Racing Team begrüßt einen schon um 7 Uhr am Morgen an der Rennstrecke und es geht direkt los mit dem ersten Briefing zu den F4 Fahrzeugen und der Rennstrecke.

 

Anschließend kurzes Fitness Training, Streching und einige Reaktionstests und dann ging es gleich in die erste Session. Ich kannte die Rennstrecke nicht – alle 10 Kurven die auf den 3,8km langen Setting, das für uns vorbereitet wurde, waren komplett neu für mich.

Wir absolvierten einige Runden mit einem Safety Car vor uns und konnten dann gleich einige Runden alleine drehen. Mit nur 5 Autos auf der Strecke, ist man praktisch immer allein unterwegs und kann sich voll und ganz auf Bremspunkte, Ideallinie und Wendepunkte konzentrieren. Das Auto fühlte sich gleich vertraut an und ich wurde von Runde zu Runde schneller. Ich traute mich immer mehr – die erste Schikane machte richtig Spaß, weil ich sie von Anfang an echt schnell und gut nehmen konnte.

Im 2. Teil brauchte ich länger. Man kommt mit 180km/h daher und weiß, dass man kurz bremsen muss, um dann eine ewig lang gezogene Kurve zu nehmen, die am Ende zu macht. F1 Fahrer nehmen die Kurve mit voller Geschwindigkeit, aber ich kann dazu nur sagen: Dazu braucht man mehr als nur Eier…

Mit dem F4 muss man abbremsen und dann mit dem Fuß am Gas vorsichtig um die ganze Kurve fahren, bevor man dann har bremst, zurückschaltet und in die nächste Rechtskurve einlenkt…. Ich merke schon – es wird uninteressant…. Wenn man nicht selbst im Auto sitzt, ist es das auch.

Ich bin dann gleich übermütig und etwas schlampig geworden. Ein wenig zu früh ein wenig zu schnell am Gas und schon ist das Heck weg. Ein Formula Bolide hat keine elektronischen Fahrhilfen – es ist ein Brett mit 4 Rädern, das immer genau das macht, was man mit ihm macht. Es verzeiht einfach keinen Fehler und so legte ich eine perfekte 360 Grad Drehung hin und landete knapp neben der Strecke. Zum Glück auf Asphalt – also alles easy. Motor neu starten und weiter geht´s. Es war ein kurzer Moment des Schreckens, aber zumindest war ich wieder hell wach und aufmerksam bei der Sache.

Eine Session dauerte 10 Runden. Das Ziel ist es nicht, möglichst schnell zu fahren, sondern technisch sauber zu fahren. Vor allem galt es, genug Druck auf die Bremsen zu bringen. Damit man eine Erlaubnis bekommt, den F1 Boliden zu pilotieren, muss man in jeder Kurve mindestens mit 60 kg auf die Bremsen drücken. Besser jedoch bis zu 120kg.

In der Telemetrie wird nach jeder Session genau geschaut, wie viel Druck man in jeder Kurve auf die Bremsen gedrückt hat – es ging immer nur darum sicherzustellen, dass jeder Teilnehmer genug Druck auf die Bremsen bringt. Gas geben kann jeder aber ordentlich bremsen will gelernt sein.

Es klingt einfach aber wenn man 10 Runden draußen ist und in jeder der 10 Kurven einmal richtig ordentlich auf die Bremsen drücken muss, sind das 100 Wiederholungen einer extrem harten und anstrengenden Bewegung. Versuch einfach einmal im Fitnessstudio 80kg mit einem Bein an der Beinpresse zu stemmen – und das 100x in 20 Minuten und das immer ruckartig – etwas Muskelkater ist Dir garantiert selbst wenn Du gut trainiert bist.

Bremsen tut man in Rennautos mit dem linken Bein. Es ist ungewohnt und man hat weniger Gefühl dafür, wie wenn man mit dem rechten Bein – wie im normalen Auto – bremsen würde. Alles Dinge, die man lernen muss und wo einem schnell klar wird, dass zwischen dem, was man hier macht und einem Rennfahrer Welten liegen.

Nachdem man in 3 Sessions insgesamt mehr als eine Stunde lang seine Runden drehen konnte, die Rennstrecke kennen gelernt hat und sich langsam wohl fühlte, durfte man sich einmal in den F1 Boliden setzen, um die Sitzposition einzustellen.

Man wird also zum Test festgeschnallt und mir fiel sofort auf, dass es keine Kupplung bei den Beinen gibt. Mir wurde dann später erklärt, dass die Kupplung am Lenkrad ist – ganz toll… so ein gewaltiges Auto, neue Situation, Hosen voll und jetzt noch mit der linken Hand kuppeln. Tausend Gedanken gehen durch den Kopf, weil man das erste mal merkt, dass man in einem gewaltigen Gerät sitzt, das kein Spielzeug mehr ist. Das hier muss ernst genommen werden!

 

Mit dem F1 ist man allein auf der Strecke. Man wird immer so hinausgelassen, dass man dem 2. Auto nicht begegnet, was wichtig ist denn man ist während der Fahrt mit so viel Dingen beschäftigt, dass man kein Auge für Rückspiegel und Überholmanöver hätte.

Mein Turn war etwas später. Ich hatte noch gut 1 Stunde Zeit und konnte bei den anderen Teilnehmern beobachten, was gemacht wird. Jeder hatte riesigen Respekt vor dem, was ihn hier erwartete, aber jeder kam mit einem riesigen Grinsen zurück. Obwohl ich immer aufgeregter wurde, war ich auch verunsichert, ob ich mir nicht wieder einmal zu viel zugemutet habe. Vor der Boxengasse fahren alle mit fast 300km/h und einem irren Lärm vorbei und ich sollte da gleich drinsitzen und dasselbe tun?

 

Dann war ich dran. Einsteigen und festschnallen – festschnallen tut man sich in solchen Autos immer aber hier noch viel fester. „Kannst Du noch atmen?“ fragte mich der Mechaniker. „Ja.“ sagte ich und er zog noch fester.  Dann sitzt man da – die Zeit bleibt stehen und ich konzentrierte mich nur auf die nächsten Momente. Sie rollen einen raus und viele Leute filmen es mit – sicher 100 Kameras auf mich gerichtet. „Wo kommen die ganzen Zuschauer plötzlich her… egal – konzentrier Dich!“ ging durch meinen Kopf

 

Mit angelassenem Motor wird man auf den Startpunkt gerollt. Dann mit der linken Hand am unteren Hebel die Kupplung ziehen, mit der rechten Hand den ersten Gang einlegen. Leicht aufs Gas drücken und die Kupplung kommen lassen… klingt alles ganz leicht aber so wie man das Gas berührt, geht hinter dem Kopf die Hölle los! Trotzdem bin ich gut angefahren wollte in den 2. Gang schalten und zack – Karre verreckt… wie peinlich – so viele Kameras auf einen gerichtet und dann so was… gut, dass mich keiner kennt. „Immerhin habe ich ihnen die Show geliefert…“ dachte ich mir.

Die Mechaniker kommen schon gelaufen, schieben mich zurück, starten das Auto noch einmal und dieses mal ging alles gut. Im 2. Gang durch die Boxengasse fühlen sich schon sehr schnell an, aber dann kommt die Linie, an der man Vollgas geben kann – oder sagen wir: könnte… ich hatte im Kopf dass die Reifen noch kalt sind und die Bremsen erst warm werden müssen. Trotzdem berührte ich das Gaspedal und meine Mundwinkel waren sofort bei meinen Ohren.  Die erste Kurve nahm ich langsam und merkte gleich, wie ruhig die Schaltung ging und wie direkt die Bremsen ansprachen – geil.. einfach nur geil.

During the 2024 WINFIELD TRACKDAY, from July 02 at Paul Ricard, France – Photo Thomas Fenetre

Nach 2 Kurven und der Schikane kam die erste lange gerade und da drückte ich das Gas voll durch. Den richtigen Schaltzeitpunkt kann man auf dem Lenkrad sehen und man bekommt einen Pip-Ton ins Ohr. Wenn man an den Punkt kommt, befindet man sich gerade in einer atemberaubenden Beschleunigung, die sich kein Mensch vorstellen kann, der das nicht selbst gemacht hat – und das sind nicht viele. Bis heute gibt es nur etwas weniger als 500 Menschen auf der Erde die mit F1 Boliden gefahren sind. Es gibt nur ein Team und nur eine Rennstrecke, wo man das machen kann. Es ist also ein echt exklusives Erlebnis!

Ich werde nie erahnen, was ein F1 Fahrer in den Kurven mit dem Ding machen kann, aber auf der Geraden erlebe ich genau dasselbe und das ist einfach nur noch abartig gestört krank.

Dieses Fahrzeug ist das modernste und Beste, was es an Technik auf dieser Erde gibt. Supersportwagen sind dagegen Spielzeuge.

Ich fühlte mich sofort noch viel wohler als im F4, mit dem wir am Vormittag gefahren sind. Ich traute mich auch schnell viel mehr und war fasziniert, wie effizient die Bremsen sind, wie das Auto auf dem Boden klebte und man in die Kurven gehen konnte. Klar – ich schaltete viel weniger, wie ein Profi und war sehr viel langsamer unterwegs, aber ich fühlte mich in dem Moment wie ein Rennfahrer…  wenn ich auf der Start-Ziel-Geraden mit dem 2. Gang aus der Kurve kam und dann in wenigen Sekunden auf 300km/h beschleunige und bis zum 6. Gang durchschalte, bin ich ein Rennfahrer für einen Moment.

Und dann wieder diese Verzögerung. Man sieht die scharfe Kurve auf sich zukommen und der Kopf sagt: „Brems endlich – bist Du wahnsinnig – drück jetzt endlich auf die Bremse du Idiot!“   In den ersten beiden Runden habe ich gefühlt spät auf die Bremsen gedrückt, aber ich saß nicht in einem M5 sondern einem F1 und somit lohnte es sich fast noch einmal Gas zu geben, weil ich fast stand und die Kurve noch 20m weiter vorne war.

Ich hatte 5 Runden gebucht und so konnte ich mich ausspinnen. Ich bin an meine Grenzen gekommen – die Grenzen vom Auto kann ich nicht mal erahnen – dieses Gerät ist ein Höllenfahrzeug und ich habe größten Respekt vor jenen, die damit Rennen fahren. Was die leisten, ist abartig!

Dann kam aber noch das Sahnehäubchen zum Schluss. Die Taxifahrt mit einem umgebauten F1 Auto, in das man hinter dem Fahrer sitzt und erleben kann, was möglich wäre

Wer glaubte, er wäre mit dem F1 schnell gewesen oder sei gut damit gefahren oder gar übermütig wurde, wurde jetzt eines Besseren belehrt.

Zwischen dem, was wir als Anfänger mit dem F1 hinbekamen und was dieser Fahrer mit uns machte, waren Welten – oder eher ganze Universen. Er fuhr das Ding mit einer Geschwindigkeit um die Kurven, haute in die Bremsen und beschleunigte zwischen jeder Kurve mit einer brachialen Gewalt, die unvorstellbar ist. Die Fliehkräfte in den Kurven sind unglaublich – man würde denken, dass man längst aus der Kurve geschleudert werden müsste aber das Ding klebt auf dem Boden wie ein Magnet.

During the 2024 WINFIELD TRACKDAY, from July 02 at Paul Ricard, France – Photo Thomas Fenetre

 

Obwohl man denkt, dass der Fahrer am Limit fährt, ist das aber nicht so. Er fährt auf Sicherheit, weil er einen Gast dabeihat – er geht da absolut kein Risiko ein. Das bedeutet aber auch, dass da noch viel mehr geht! Was ein Rennfahrer leistet, ist wirklich unglaublich!

Leider geht alles so schnell vorbei, dass man nicht das Gefühl hat, genug bekommen zu haben. Ich bin auf jeden Fall angefixt und werde einen Schritt weiter gehen. Als erstes werde ich ein reines F4 Training machen, wo ich auf dieser Rennstrecke intensiv lernen werde, mehr aus dem F4 herauszuholen bzw. selbst technisch noch viel sauberer zu fahren

Es ist zwar nett, wenn man auf den beiden langen Geraden Gas geben kann, aber ich möchte lernen, wie man schneller in die Kurven reinfährt und wieder heraus kommt…

Vielen Dank an Winfield Racing School und Passion4Speed.com.

Wenn Du Interesse hast, auch so etwas zu erleben, wende Dich an Passion4Speed.com für den perfekten Einsteigerkurs.