Die Geschichte von meinem ersten Flugzeug

Es war ein kalter Wintertag im Jahr 2009 den ich mit meiner Frau zu Hause bei einem Fernsehabend verbrachte. Unser Film des Abends war „Pretty Woman“ mit Julia Roberts und Richard Gere. Eine Szene möchte ich dabei heraus nehmen, um das Abenteuer mit meinem ersten Flugzeug zu starten: An einem besonderen Abend entschied Eduard seine Vivien in die Oper einzuladen. Sie hat sich dazu in ein wunderschönes rotes Kleid einkleiden lassen und dann flogen sie mit seinem eigenen Privatjet zur Oper, wo sie einen wunderschönen Abend verbrachten. Damals schaute ich meine Frau kurz an und sagte zu Ihr nur: „Eines Tages …“

Ich ändere in dem Bericht sämtliche Namen, Firmennamen oder lasse sie weg, da ich niemandem auf die Beine treten möchte zumal einige Dinge sehr persönlich sind.

Wie die Idee entstanden ist, ein eigenes Flugzeug zu kaufen

Ich war beruflich und privat immer viel und gerne auf Reisen und ab ca. 2015 wurden es immer mehr Reisen. Oft hatte ich 2 Termine in verschiedenen Städten an einem Tag. Da es geschäftlich sinnvoll war, habe ich angefangen privat zu fliegen, auf kleinen Flughäfen mit kurzen Wegen zu landen bzw. im General Aviation Terminal immer direkt aus dem Flugzeug zum Termin zu gehen.

Citation Mustang – meine ersten Flüge mit Privatjets hab ich meistens mit diesem Flugzeug gemacht.

So war es zum Beispiel möglich, dass ich am frühen Morgen von Altenrhein nach Warschau fliegen konnte, um auf einer Messe einige Hände zu schütteln. Anschließend weiter nach Wien, wo der Notar im Terminal wartete, um einige Unterschriften zu erledigen und damit ich noch rechtzeitig, bevor es dunkel wurde, in Schladming zum Season Opening sein konnte, stand der Helikopter direkt neben dem Jet am Flughafen, der mich und ein paar gute Freunde direkt vor das Hotel in Schladming brachte.

Ich bin immer mit derselben Firma geflogen, die 2 Mustangs in Betrieb hatte. Es ist ein kleiner Privatjet für 4 Passagiere und einer guten Reichweite. Ich hab mich dadurch schnell mit dem Chefpiloten angefreundet und so entstand die Idee, ein eigenes Flugzeug zu kaufen und in den Charterbetrieb zu nehmen.

Ich habe mit meinem damaligen Geschäftspartner darüber gesprochen und wir haben uns beraten lassen, Kalkulationen angeschaut und uns zeigen lassen, wie so ein Flugbetrieb aussehen würde. Es war klar, dass man mit dem verchartern nicht das große Geld verdienen kann, aber mein Freund, der Chefpilot, war sehr aktiv, umtriebig und hatte viele gute Kontakte, so dass das Flugzeug sehr gut ausgelastet geflogen wäre.

Damit hätten sich die Kosten für den Eigenbedarf senken lassen und das Flugzeug wäre fix vermietet worden. Dazu hätte es einen fairen Vertrag gegeben so dass wenn alles gut gelaufen wäre, das Flugzeug einen kleinen Gewinn abgeworfen hätte.

Für mich war der Eigenbedarf wichtig und mir gefiel die Idee, einen eigenen Jet zu besitzen. Zudem war es auch eine Art Diversifikation im Anlageportfolio, in dem ich Firmenanteile von Unternehmen aus verschiedenen Branchen besitze. Diese Idee wurde im frühen Sommer 2017 konkret.

Mein Freund, der Chefpilot, machte sich auf die Suche und reiste in die USA, um ein passendes Flugzeug zu finden. Nach einigen Wochen wurde er fündig. Eine fast neue Phenom 100E, die als Vorführmodell von Embraer genutzt wurde. Sie hatte wenig Flugstunden und hatte die beste Ausstattung, die es für diesen Flugzeugtyp gab.

Ein Volltreffer für 3,3 Millionen USD. Es gab noch ein paar Kosten für die Überstellung nach Europa, einige kleine Umrüstungen, aber dafür hat uns Embraer geholfen, Pilotenzulassungen zu bezahlen. Ich wusste damals noch nicht, dass es für den Flugzeugtyp kaum Piloten in Europa gab weil das Flugzeug zwar noch modern war, aber eben auch ganz neu. Beruflich war ich auch viel zu beschäftigt, um mich damit zu befassen. Ich hatte vollstes Vertrauen in meinen Freund, der schon zwei Flugzeuge im Betrieb hatte.

Ich habe mich mit meinem damaligen Geschäftspartner dazu entschlossen, das Flugzeug zu kaufen. Da wir es bar bezahlten, gab es keine Fragen der Finanzierung. Wir konnten den Kaufvertrag direkt unterschreiben.

Zwischen dem Moment der Zusage und dem Tag, wo die Zahlung fällig gewesen wäre, kündigte mir meine Hausbank überraschend die Konten. Die Gründe dafür sind zu komplex um sie hier zu beschreiben. Das Problem war jetzt also, dass ich erst mal keine Anzahlung machen konnte, bis sich eine neue Bank finden ließ.

Da ich unverschuldet in ein Zivilverfahren in den USA geraten war, welches gerade lief, wollte keine der 17 Banken, die ich in den folgenden Tagen kontaktierte, ein Firmenkonto geben. Überall hieß es: „Mit einem laufenden Verfahren in USA können wir nichts für sie tun.“

Über Kontakte und gefühlte 17 Termine weiter fand ein Freund von mir einen Anwalt, der wiederum jemanden in einer großen Vermögensverwaltung kannte, der mich einem Banker vorstellig machte, der mir helfen konnte. Es zogen die Wochen ins Land aber Anfang Dezember 2017 konnte ich die Anzahlung von 600.000 USD machen.

Die Katastrophe

Als mein Freund, der Chefpilot, aus USA zurück war, haben wir uns getroffen und Pläne gemacht. Es war klar, dass es noch einige Monate dauern würde, bis wir in den vollen Flugbetrieb gehen könnten, was am Mangel an Piloten lag. Er hatte allerdings junge, motiviere Piloten an der Hand, welche die Ausbildung in den kommenden Wochen machen würden. Bis dahin würden wir das Flugzeug mit Freelancer Piloten ab ca. Februar selber nutzen können.

Davor, im Dezember 2017 wollte meine Frau für eine Woche mit unseren Kindern nach Tallinn, wo wir 2 – 3 mal im Jahr hinreisen. Ich brachte meine Frau und meine beiden Kinder zum Flughafen. Sie flogen mit meinem Freund, dem Chefpiloten in einer Mustang nach Tallinn. Ich wollte einige Tage später nachreisen, da ich noch auf einer großen Weihnachtsgala in München zu Gast und gleichzeitig Sponsor war. Meine Familie flog also nach Tallinn und ich fuhr mit dem Auto nach München.

Weil wir viel zu tun hatten, habe ich auch nicht mehr mit meiner Frau telefoniert. Ich ging auf die Gala und schaute nicht weiter auf mein Handy. Am nächsten Morgen – es war eher schon Mittag – las ich eine Überschrift in den News. Es war eine riesige Story in den Medien und mir blieb das Herz in dem Moment stehen:

Das Flugzeug mit meinem Freund, dem Chefpiloten ist abgestürzt und alle Passagiere tödlich verunglückt.

Es war nur ein kurzer Artikel, aber ich war komplett aufgelöst, fassungslos und nicht mehr in der Lage, die Worte auf dem Bildschirm zu lesen. Ich konnte nicht lesen, wo und wann es passiert ist – ich sah nur die Wrackteile von dem Flugzeug im Wald zerstreut liegen, in das meine Familie am Tag davor eingestiegen ist.

In so einem Moment bleibt die Zeit stehen. Noch nie hatte ich so viel Angst, wie in diesem Moment. Es dauerte einige Minuten, bis ich den Artikel lesen konnte und sah, wo und wann der Absturz stattfand. Er hatte meine Familie noch sicher abgeladen und mir noch ein Bild von ihm und meinem Sohn im Cockpit geschickt, was ich erst später gesehen habe. Dann flog er weiter um einen anderen Gast abzuholen. Auf dem Flug passierte die Katastrophe.

Die Mustang ist ein kleines Flugzeug und so wie mir gesagt wurde, wegen der Gewichtsklasse praktisch der einzige Jet, der keinen Flugschreiber hatte. Das Unglück passierte bei schlechten Wetterbedingungen, was alleine jedoch nicht der Grund sein konnte. Bei so einem Unglück spielt meistens eine Serie von Umständen eine Rolle, über die ich aber nicht weiter spekulieren möchte.

An dem Tag sollte ich weiter reisen, wozu ich nicht in der Lage war. Der Schock und die Trauer saßen sehr tief. Ich bin zwei Tage später nach Tallinn gereist und ich kann versichern, dass ich mich noch nie so gefreut hab, meine Kinder und meine Frau in den Arm nehmen zu können, wie an diesem Tag.

Was machen wir jetzt mit dem Flieger? Wie ging es weiter?

Der Schock saß tief. Es war mir plötzlich sehr bewusst, wie nahe man ich an einem Unglück dran war. Was auf dem Unglücksflug passierte, hätte bei jedem anderen Flug passieren können und nur zwei Flüge davor saß meine ganze Familie noch in diesem Flugzeug.

Was ich allerdings erstaunlich fand, war die Tatsache, wie schnell sich mehrere Firmen meldeten, die das Geschäft mit dem Flugzeug machen wollten. Aus einem Geschäft, über das ich nicht groß nachdenken wollte, weil ich einem Freund vertraute, wurde plötzlich ein riesen Deal, da ich keine Ahnung von rein gar nichts hatte. Trotzdem mussten Entscheidungen getroffen werden, weil das Flugzeug ist unterwegs und will bedient werden.

Unter allen Varianten entschieden wir uns, das Flugzeug mit demselben Team zu betreiben, das mein Freund der Chefpilot aufgebaut hat. Es gab die Kunden, es gab ein Verkaufsteam und die Erfahrung. Bei all den Geiern, die über uns kreisten, war das nur logisch für uns. Wir machten also den Deal mit der Firma klar.

Nur wenige Tage später kam der Besitzer der Fluggesellschaft auf die Idee, dass er den Flugbetrieb doch nicht fortführen wollte. Der Besitzer der Fluggesellschaft wollte seine 2. Mustang nicht mehr weiter betreiben und löste die Firma auf. Wir hatten also keinen Betreiber mehr, kein Verkaufsteam und auch sonst nichts mehr – alles war weg.

Da mein damaliger Geschäftspartner sehr passiv war, musste ich die Entscheidungen treffen. Ich konnte nur nach meinem Bauchgefühl entscheiden und vertraute das Flugzeug einer Firma aus Wien an, die schon mehrere Flugzeuge in Betrieb hatte in vorher in Verbindung mit der aufgelösten Fluggesellschaft war.

Er stellte damals seine Fluglizenz für die beiden Mustangs bereit und ich war der Hoffnung, dass wir damit vielleicht noch von den Piloten und dem Verkaufsteam 2 – 3 Mitarbeiter mitnehmen könnten. Ich war ab da eigentlich nur noch verzweifelt zumal ich eigentlich keine Zeit hatte, mich mit so etwas zu beschäftigen aber ich hatte den Klotz nun am Bein.

Das liebe Geld….

Eigentlich hätte jetzt nur noch die Restzahlung 2,7 Millionen USD bezahlt werden müssen, damit es überstellt werden kann und das ganze Prozedere anfangen könnte. Die Überweisung sollte von meinem damaligen Geschäftspartner aus Dubai kommen. Das dauerte Wochen. Laufend fragten wir bei den Banken nach, ließen uns Swift-Bestätigungen schicken und immer wieder kamen nur neue Ausreden. Es dauerte 8 Wochen bis ich die Geduld verlor, meinem damaligen Geschäftspartner aus dem Vertrag gehen ließ und das Flugzeug von meinem Geld bezahlte.

Diese Zahlung mit Dubai war ein Trauerspiel – sollte aber nicht das Letzte gewesen sein. Heute wissen wir, dass der Banker von meinem damaligen Geschäftspartner das Geld abzweigte und auf der Flucht gefasst wurde. Er sitzt in Dubai ein – das Geld ist bis heute verschwunden.

Ich bezahlte das Flugzeug von meinem Geld und war nun auch alleiniger Besitzer. Das Flugzeug wurde im Jänner 2018 überstellt. In den folgenden Wochen wurden in Bremen die notwendigen technischen Veränderungen für einen Flugbetrieb in Europa vorgenommen. Ab ca. Mitte Februar war das Flugzeug für private Flüge für mich bereit. Kommerzielle Flüge hätten ab Juni möglich werden sollen – aber zumindest konnte ich selber mit meinem Flugzeug fliegen.

Der erste Flug mit meinem eigenen Flugzeug

Es war nun mein Flugzeug und es gab eine schöne Begrüßung in Friedrichshafen mit der Feuerwehr und Wasserfontänen. Die Freude hielt sich in Grenzen da alle Anwesenden enge Freunde vom Unfallpiloten waren und ich wusste, dass selbst wenn ab jetzt alles gut gehen würde, kein Gewinn mehr zu machen ist. Ich hatte einfach nur einen riesen Klotz am Bein.

Empfang in Friedrichshafen

Erinnern wir uns aber zurück an die Geschichte von „Pretty Woman“, wie Vivian von Eduard im roten Kleid in die Oper geflogen wurde.

Ich bin zu der Zeit zwar praktisch wöchentlich irgendwohin privat geflogen aber eben mit anderen Flugzeugen, bis mein Flugzeug bereit war.

Das Flugzeug war ab dem 4. Februar bereit für meine private Nutzung und es gab einen Chefpiloten, der diese Flüge für mich machen würde und so ergab sich ein Zufall, den man nicht planen konnte:

Meinen ersten Flug ergab sich so, dass ich ihn zusammen mit meiner Frau absolvieren konnte. Wir flogen allerdings nicht irgendwo hin sondern in einem traumhaften roten Kleid zum Opernball nach Wien, wo wir zusammen mit Freunden im Hotel Bristol in der Opersuite eingecheckt haben und einen wunderbaren Abend auf dem Wiener Opernball in der Staatsoper verbrachten.

Es waren 10 Jahre zuvor nur zwei Worte in einem emotionalen Moment. Von dem Moment an fügte das Universum alles so zusammen, dass es zu diesem unglaublichen Zufall und wunderschönen Moment kam.

Dies war dann der glücklichste und eigentlich einzige schöne Moment, den wir feiern konnten.

Zwei Jahre Geduld gepflastert von Rückschlägen und Misserfolgen

Ich erzähle nur kurz einige Episoden dazu, obwohl es eine ganze Reihe Geschichten gäbe, die für sich schon unglaublich klingen – in der Summe aber schon verrückt erscheinen.

Als erstes bildeten wir einen jungen Piloten aus, der davor mit der Mustang geflogen ist. Er kam zur Begrüßungsfeier, wo er noch ein kostspieliges Landetraining absolvierte, das selbstverständlich ich bezahlen durfte.

Ich kannte den jungen Piloten schon und war in dem Moment etwas verwundert, wie passiv er sich gegenüber mir verhalten hat weil er sonst immer offen und nett war. Er erhielt von mir insgesamt Ausbildung im Wert von ca. 25.000 Euro.

Mit der abgeschlossenen Ausbildung kündigte er nur eine Woche später und flog für eine andere Firma. Der verantwortliche Operator hat es verpasst, hier ordentliche Verträge zu machen. Das kommt halt dabei raus, wenn man einem Kevin vertraut…. Ein Kevin eben.

Wir sind dann gelegentlich geflogen, als wir die Zulassung hatten. Meistens jedoch mit Freelancer Piloten. Als wir die erste Crew mit Chefpiloten hatten, brach sich gleich der Chefpilot die Hand so kompliziert, dass er 5 Monate nicht fliegen durfte. Bis auf ein paar einzelne Flüge, wurde in 2018 also nicht kommerziell geflogen.

Einmal sollte meine Frau nach Tallinn fliegen. Da das Flugzeug voll mit Kinder und Gepäck war, mussten sie in Berlin zwischenlanden, um aufzutanken. Bei der Landung kam es zu einer Kollision mit einem großen Vogel. Seine Federn klebten danach immer noch am Fahrwerk. Das Flugzeug konnte nicht mehr weiterfliegen – wir mussten ein anderes Flugzeug für sie organisieren.

Bei meinem letzten Flug sollte ich nach Berlin fliegen. Wir mussten in Nürnberg notlanden, weil das Fahrwerk nicht einfahren konnte. Eine Hydraulikpumpe war defekt. Eigentlich wäre das zu verkraften – wenn das Flugzeug nicht schon 2 mal die Wochen davor genau deswegen in der Werkstatt gewesen wäre. Obwohl es nicht ordentlich repariert wurde, durfte ich also 3x die Reparatur bezahlen. So eine Reparatur kostet bei einem Flugzeug etwas mehr als bei einem Bagger… immerhin fast 40.000 Euro – pro Reparatur!

In 2019 hatten wir eine Crew. Für einen vollen Betrieb benötigt man 2 Crews, die sich alle 2 Wochen abwechseln. Ein Team ist immer 2 Wochen mit dem Flugzeug unterwegs und hat dann 2 Wochen frei. Für die Ausfälle gibt es Freelancer Piloten.

Wir sind also ab und zu geflogen und es stellte sich heraus, dass wenn das Ding fliegt, gutes Geld damit zu verdienen ist weil das Flugzeug sehr effizient fliegt und bei den Kunden sehr beliebt ist.

Wir wurschtelten uns durch das Jahr 2019 und fanden dann auch einen weiteren Chefpiloten, der nach 15 Jahren bei seiner Firma kündigte, um für uns zu fliegen. Er wurde per 1. März 2020 eingestellt.

Wir hatten also eine vollständige Crew und unsere Kunden waren Künstler und DJ´s die wir von Festivals nach Ibiza und zu deren Gigs flogen, Geschäftsleute die auf Messen und Konferenzen flogen und es kam Hoffnung und etwas Freude auf….

Am 1. März 2020 hatten wir eine eigene vollständige Crew und konnten ohne Freelancer fliegen. Es gab sofort mehr Buchungsanfragen als wir bedienen konnten da wir fast zum selben Preis fliegen konnten wie eine Mustang, jedoch viel mehr Komfort, Luxus und ein viel größeres Flugzeug anbieten konnten.

Dann kam Corona…

Per 1. Mai schickten wir alle Piloten, die wir in 2 Jahre mühsamer Arbeit aufgebaut hatten, in Kurzarbeit und parkten das Flugzeug. Wir machten noch einen Service, der alle paar Monate fällig war und glaubten noch dran, dass die Sommersaison wieder gut wird. Geduld haben wir ja gelernt.

Während andere Privatjet Firmen ihre Kunden noch fliegen konnten, gab es für keinen unserer Kunden eine Destination. Keine Konzerte, keine Festivals, keine DJ´s die in Clubs oder auf Ibiza spielten, keine Messen, keine Konferenzen aber die Uhr tickte… die Uhr die sagte, dass jeden Monat ca. 30.000 Euro Kosten anfielen, wenn das Ding nicht fliegt – gewisse Grundkosten hat so ein Flugzeug nun mal jeden Monat.

Schnelles Handeln war jetzt gefragt

Mir wurde mit dem langen Lockdown schnell klar dass ich wohl aufgeben würde. Es gab zwar die Hoffnung, dass gerade wegen Corona viele Leute privat fliegen würden. Die Frage war aber: Wohin sollen unsere Kunden fliegen, wenn es keine Konzerte und keine Messen mehr gab? Es gab schlichtweg zu wenig Anfragen und so entschied ich mich zu einem Ende mit Schrecken als Schrecken ohne Ende: Verkaufen und aussteigen.

Das war im Mai 2020 und es gab gleich mehrere Interessenten. Das war gut weil es damit eine Basis gab, einen guten Preis zu bekommen. Der Verkauf sollte bis Anfang Juli abgeschlossen sein da es konkrete Interessenten gab, die sofort kaufen wollten.

Beim ersten Interessenten scheiterte es gleich an der Finanzierung, womit der Juni schon vorbei war, ohne dass etwas weiter ging.

Dann entschieden wir uns für einen Käufer, der die Piloten behalten würde, damit diese anschließend weiter fliegen können. Wir haben den Verkaufsprozess im Juli gestartet und dafür 4 Wochen veranschlagt.

Aber… es wäre nicht dieses Flugzeug, wenn das alles auch so gekommen wäre.

Deja vu – Warten auf das Geld aus Dubai

Der Käufer war zwar aus der EU aber auch er bezahlte das Flugzeug selber – ohne Finanzierung – und auch er überwies das Geld von einer seiner Firmen aus Dubai.

Es sollte sich also ziehen. Ich kannte den Prozess ja schon. Selbst wenn das Geld dann auf seinem Konto in Österreich gekommen wäre, würde die Compliance Abteilung ihrer Sorgfaltspflicht nachkommen und einen Herkunftsnachweis verlangen – was schnell wieder einige Wochen dauern würde.

Ich war in dem Sommer beschäftigt. Da es keine Bergsteiger in Afrika gab, nutzte ich die Gelegenheit, den Kilimanjaro ganz exklusiv mit meinem Bruder und einem kleinen Team aus der Schweiz zu besteigen. Ich wollte eigentlich auch nichts mehr von der Odysee wissen.

Denn zu allem Theater kam jetzt noch dazu, dass meine Bank, keine USD Geschäfte abwickeln konnte. Flugzeuge werden immer in USD abgewickelt. Ich hatte also wieder mal die Situation, dass ich keine Bank hatte, mit der man das Geschäft abwickeln könnte. Nervös machte mich das nicht mehr – irgendwann gewöhnt man sich dran, dass man noch nicht weiß, wie es wohl weiter gehen würde.

Immer wenn ich was vom Flugzeug hörte, waren es schlechte Nachrichten. Einmal zusätzliche Kosten für Pilotenausbildung, dann ein weiter Service und immer noch mehr Verzögerungen mit dem Geld aus Dubai. Ich hab resigniert und die Ohren zu gemacht.

Zu Corona Zeiten hab ich mich auf die positiven Dinge im Leben konzentriert uns alles ausgeblendet, was negativ war. Eine Eigenschaft, an der ich auch in Zukunft fleißig arbeiten werde, da es mir und meiner Familie sehr gut getan hat.

Es war ein Deja vu. Das Geld war 7 Wochen lang unterwegs und als es dann beim Käufer auf dem österreichischen Konto war, wurde es sofort aus den oben genannten Gründen gesperrt. Es zog sich alles immer weiter hin.

Der erste Kaufvertrag war mit der falschen Währung ausgefüllt weil wir mit Aufwand doch noch einen Weg gefunden haben, das Geschäft in EUR abzuwickeln.

Im Zweiten Kaufvertrag war dann die falsche Seriennummer drin, womit auch der hinfällig war….

Alle guten Dinge sind 3… man würde jetzt denken, dass nach so einer unglaublichen Pechsträhne das Glück auch einmal auf meiner Seite sein könnte.

Wenigstens der Vertragsabschluss fand an einem besonderen Tag statt.

Es war mein Geburtstag, an dem alles unter Dach und Fach gebracht wurde und die ganze Tragödie für mich ein Ende nahm. Es war also für mich ein schönes Geburtstagsgeschenk. Dem Käufer wünsche ich alles Gute und dass er hoffentlich nicht abergläubisch ist denn es war Freitag der 13. und das im Jahr 2020.

Ich könnte diese Geschichte noch weit ausschmücken mit weiteren Erlebnissen, die zu der Abfolge passen. Alles hat sich genau so zugetragen und wenn mich heute jemand fragt, was ich anders machen würde, hab ich eine klare Antwort:

Wenn Du einen Wunsch ans Universum schickst, mach ihn ganz konkret und formuliere ihn ganz genau!

Ich hab mir ein Flugzeug gewünscht, mit dem ich meine Frau in einem roten Kleid in die Oper fliegen würde. Das hab ich bekommen.

Ich hab mir jedoch vergessen zu wünschen, dass ich eine erfolgreiche Airline betreiben möchte, die mir gute Gewinne einbringt und ich viele Jahre große Freude an meinem Flugzeug habe.

Das würde ich also nächstes mal anders machen… ansonsten war es schon geil, so einen nagelneuen Privatjet zu besitzen und mit Freunden auf Partys nach Amsterdam und Ibiza zu fliegen!

In Zukunft werde ich wieder Kunde von jemand sein, der so ein Abenteuer eingegangen ist und hoffen, dass er mehr Glück hat, als ich.