On Top of Mt. Vinson, Antarktis

Antarktis – Mt. Vinson (4860m)- Ein Abenteuer am Ende der Welt

Ich wollte immer schon zumindest einmal die Antarktis betreten. Die meisten Besucher machen das über Kreuzfahrten, wo man an der Küste entlangfährt, Landgänge macht und z.B. die Holzhütten der ersten Entdecker besucht, die immer noch in einigen Buchten stehen und Pinguinkolonien aufsucht.

Mein Zugang zu diesem gigantischen Kontinent waren die Berge. Es klang für mich extrem spannend, sich tausende Kilometer vom nächsten Dorf in einer der extremsten Umgebungen der Erde, in der sich Menschen aufhalten können, von einem Flugzeug abladen zu lassen um dann im Expeditionsstil einen Berg zu besteigen.

Mt. Vinson ist ein Berg der 7 Summits – der jeweils höchsten Berge auf den 7 Kontinenten. Erst in den letzten Jahren wurde er zugänglicher gemacht, weshalb er früher kaum bestiegen wurde. Bis heute haben weniger als 1500 Menschen den Gipfel erreicht – selbst den Gipfel des Mt. Everest haben mehr als 5x mehr Menschen erreicht. Es liegt vor allem daran, dass Mt. Vinson sehr abgelegen ist, sehr schwer zu erreichen ist, die Kosten enorm hoch sind und trotzdem nur etwa jeder 2. Bergsteiger, der es versucht, den Gipfel wirklich erreicht.

Die Antarktis ist ein Kontinent, der von der Fläche her deutlich größer ist, wie Europa. 40x so groß wie Deutschland, mit einer 2,3 Kilometer dicken Eisschicht überzogen, extrem kalt und wegen der niedrigen Niederschlagsmenge als Wüste bezeichnet. Das Wetter wechselt schnell, ist fast unberechenbar und im Winter kann das Thermometer deutlich unter -80° Celsius fallen. Das meiste Süßwasser der Erde ist dort gebunden und würde der Südpol schmelzen, würde der Meeresspiegel um 58m steigen.

Im Landesinneren gibt es praktisch keine Lebewesen mehr. Man atmet die sauberste Luft und es gibt keine Gerüche mehr – etwas, das man erst richtig bemerkt, wenn man von der Reise zurückkommt.

Aber fangen wir ganz vorne an. Die eigentlichen Vorbereitungen starten lange Zeit vor der Abreise. Obwohl man sich einer gut organisierten Expedition anschließt, gibt es Papierkram, der schon im Sommer erledigt sein muss, viel Equipment, das man kaufen muss, und vor allem Training, das man absolvieren sollte.

Was das Training angeht, wollte ich einfach richtig fit sein. Es muss jeder selbst wissen, wie fit er für so ein Abenteuer sein möchte. Ich habe aber gelernt, dass wenn man fit ist, man mehr Spaß hat, weil man auch nach einem harten Tag immer noch genießen kann, was man tut. Aus eigener Erfahrung weiß ich, wie es ist, komplett erschöpft zu sein, sich vor Erschöpfung richtig krank zu fühlen und kaum in der Lage zu sein, in einen Schlafsack zu kriechen. Das wollte ich vermeiden und deshalb habe ich hart trainiert.

Insgesamt hatte ich in dem Jahr ca. 430 gezielte Trainingsstunden absolviert, in denen ich 180.000 Höhenmeter auf fast 1900km absolviert habe. Sehr viel davon in den Bergen aber auch viele Stunden auf dem Laufband – teilweise mit bis zu 20kg Ballast im Rucksack – und ja, wenn man im Fitnessstudio mit dem großen Expeditionsrucksack 2 Stunden lang auf dem Laufband geht, hat man die Aufmerksamkeit vom ganzen Studio auf seiner Seite.

Ich muss aber gleich sagen: So viel Training ist definitiv nicht notwendig – ich habe noch weitere Ziele vor mir, weshalb ich aktuell hart trainiere und dieses Pensum noch erhöhen werde. Wichtig ist nur, dass man mit Gewicht auf dem Rücken trainiert und dass man lange Touren geht, damit sich der Körper an die Belastung gewöhnt.

Der Ausgangspunkt aller Expeditionen, die ALE (Antarctica Logistic Expeditions) anbietet, ist Punta Arenas im Süden von Chile. Allein dort hinzukommen, ist schon ein sehr langer Weg. Ich bin über Sao Paulo und Santiago de Chile angereist, was ca. 30 Stunden gedauert hat.

Punta Arenas

Vor Ort trifft man das Team und hat 2 Tage Zeit. Man reist früher an, damit man noch an Brifings teilnehmen kann und damit Gepäck, das nicht angekommen ist, noch nachgeliefert werden kann. Beim Brifing habe ich bemerkt, dass mir 2 Ausrüstungsgegenstände fehlen – auch solche Dinge werden dann noch kurzfristig organisiert.

Am Vortag der Abreise bringt man sein Gepäck zur Sammelstelle. Obwohl wir zum ersten Flug für Touristen und Wissenschaftler in dieser Saison gehörten und die Gruppen noch relativ klein waren, waren die Gepäckshaufen gigantisch. Es ist unglaublich, was man da alles mitnehmen muss und auf welche Eventualitäten man vorbereitet sein muss. Der logistische Aufwand, um Menschen in dieser Umgebung am Leben zu erhalten, ist gewaltig!

Logistics

Ich will nur ein Beispiel nennen: Angenommen, unsere Expedition sitzt 2 Wochen lang in einem Lager fest. Es ist nicht ungewöhnlich, dass eine kleine Expedition eine Woche bis 10 Tage lang warten muss, bis sie ausgeflogen werden kann. Mit der Langeweile im Lager kann man gut umgehen aber besteht die Gruppe aus 10 Leuten, sind das 10 Menschen, die jeden Tag essen wollen, und vor allem Wasser brauchen. 10 Tage x 3 Mahlzeiten x 10 Personen sind 300 Packungen gefriergetrocknetes Essen und sehr viel Benzin, um genügend Wasser zu kochen – und was, wenn man 14 Tage lang festsitzt?  Es müssen immer genug Reserven mitgenommen werden, damit so eine Gruppe nicht plötzlich zu einem Notfall wird!

Der Flug in die Antarktis wird mit einer Boing 757 von Iceland Air gemacht. Ein reguläres Linienflugzeug. Es war viel Platz und jeder hat seine schweren Schuhe und Winterbekleidung mit in die Kabine genommen. Insgesamt werden pro Saison 38 solcher Flüge durchgeführt, auf denen hauptsächlich Wissenschaftler geflogen werden. Darüber hinaus werden 450 Touristen auf diesen Spielplatz der Reichen und Superreichen geflogen, die dort eine Vielzahl von Expeditionen unternehmen. Nur etwa 150 davon werden versuchen einen Berg zu besteigen von denen es weniger als 80 zu einem Gipfel schaffen.

Ich nenne es „Spielplatz der Reichen“ weil die Dichte an sehr reichen Menschen sehr hoch ist. Wir haben z.B. eine Gruppe getroffen, die mit einem E-Auto vom Nordpool bis zum Südpool unterwegs war. Die Fahrzeuge haben sie einfliegen lassen und sie waren schon einige Monate lang unterwegs. Die Gesamtkosten für so eine Idee gehen in die Millionen.

Wer in die Antarktis geht, findet eigentlich sehr wenig – jedoch kostet das Wenige extrem viel. Es gibt dort nichts außer Schnee, Steine und Kälte. Hier kommen nur noch Leute her, die für etwas Außergewöhnliches viel Geld ausgeben aber im Prinzip nichts sehen – außer Schnee.

Ich will das Abenteuer nicht abwerten aber die Mindestkosten pro Person starten mit Ausrüstung, Anreise und Aufenthalt bei 60k EUR – für das Geld kann man überall auf der Welt mehr sehen, als Schnee.

Die Kosten sind so hoch, weil der logistische Aufwand so groß ist. Alles muss hier rein und rausgeflogen werden. Kostet ein Fass Kerosin in Chile noch 400 Dollar, kostet es am Südpol unten schon 12.000 Dollar. Man hat ausgerechnet, dass das Betätigen der Klospülung insgesamte Kosten von 80 Dollar verursacht und eine Mahlzeit mit allen Kosten drumherum ca. 450 Dollar kostet.

Ein anderes Bespiel aus der Praxis: Für den Fall, dass wir 1-2 Tage früher wieder am Ausgangspunkt – dem Union Glacier – zurückkommen würden, hatten wir die Idee, noch schnell zum Südpol zu fliegen und dafür ließen wir uns ein Angebot geben.

Wir sprechen davon, 1000km mit einem Propellerflugzeug hin und zurückzufliegen. Eine Zwischenlandung zum Auftanken war notwendig. Bucht man in Europa was Vergleichbares, kostet das vielleicht 10-15k EUR.

In der Antarktis kostet so ein Flug 32.000 EUR pro Person, wenn mindestens 8 Personen mitfliegen – also 250.000 EUR für ein Foto am Südpol weil der Sprit und die Logistik so extrem teuer ist. Klar – das ist verrückt und ich konnte nicht mitfliegen, weil ich kurz zögerte…. Richtig: das Flugzeug war so schnell voll, dass ich einfach keinen Platz mehr bekommen hab!  Merke: wer zögert, verliert!

Der Flug von Punta Arenas zum Union Glacier war ruhig und als man das erste Eis unter sich sah, wunderschön. Man landet auf einem Gletscher auf blauem Eis und man würde denken, dass er Pilot dafür trainiert werden muss. Anscheinend ist das nicht notwendig – unser Pilot war ganz stolz drauf, dass dies seine erste Landung auf dem Eis sein wird.

Flight to Mt. Vinson, Antarktis

Kurz vor der Landung zieht jeder die warme Kleidung und die schweren Schuhe an. Die Kabine wird dazu stark heruntergekühlt, damit es auszuhalten ist. Angekommen steigt man aus und … Wohaaa… es ist hier wirklich SEHR kalt….. ich hatte ja keine Ahnung, dass es auf der Erde so kalt sein kann, obwohl die Sonne scheint! Es wird einem sofort klar, dass man ab jetzt in einem Abenteuer ist!

Union Glacier

Von der Landepiste wird man direkt zum 8km entfernten Lager auf dem Union Glacier gebracht. Hier stehen die kleinen Flugzeuge für die „Inlandsflüge“, viele Zelte und auch große Zelte, Maschinen und alles, was Wissenschaftler und Touristen hier brauchen, um zu überleben und arbeiten.

Union Glacier ist der Ausgangspunkt für viele Expeditionen an die unterschiedlichsten Punkte auf dem Kontinent. Für uns war es der Ausganspunkt zum Mt. Vinson – dem höchsten Berg der Antarktis.

Wir bauten hier unsere eigenen Zelte auf und warteten auf den Wetterbericht, der alle 3 Stunden neu erstellt wird.  Es ging jetzt darum, einen Flug von Union Glacier ins Basecamp zu bekommen. Wir waren die Erste Gruppe der Saison, weshalb noch niemand am Basecamp war und sagen konnte, ob man schon hineinfliegen kann. Wir warteten also. Nach 2 Tagen hieß es, dass es am nächsten Tag möglich sein könnte. Wir saßen also auf Abruf auf gepackten Koffern und warteten. Jedes Geräusch, das wie ein Flugzeug klang, sorgte für Aufsehen, weil es ein Testflug sein könnte, von dem man mehr erfahren würde – auch wenn es dann nur eine Pistenwalze war.  Es gab halt wirklich nichts zu tun, als im Zelt zu sitzen, zu essen, zu schlafen und zu warten.

Union Glacier

Es ist durchgehend Tag – die Sonne steht immer ca. so hoch wie bei uns um 14 Uhr. Sie wandert nur am Himmel herum und so gibt es zwar eine Uhrzeit aber keine Nachtzeit. An der Uhrzeit richten sich die Mahlzeiten und zwischen 19 und 22 Uhr gab es sogar für jeden ein Bier oder ein Glas Wein zu trinken.

Es fehlte uns an nichts. Das Essen war sehr gut und es gab gelegentlich Internet da ein Team von Starlink dabei war und eine Antenne installierten. Wir waren das erste Team, das in der Antarktis als Besucher Onlinezugang hatte. Ich hab es trotzdem fast nicht genutzt weil ich digital-detox wollte. So vergingen die ersten Tage und ich lernte geduldig zu warten.

Geschlafen habe ich überraschend gut. Mit Stöpsel in den Ohren und einer Augenbinde habe ich jede Nacht zwischen 9 und 11 Stunden durchgeschlafen. So viel guten Schlaf hab ich noch nie im Leben gehabt! Das half natürlich sehr, die Zeit herumzubringen, in der man auch später in den Lagern, rein gar nichts zu tun hatte.

Basecamp

Irgendwann hieß es dann: Zelte abbauen – in 40 Minuten geht der Flug. Ich war in der ersten von 3 Gruppen und plötzlich war es hektisch. Man durfte nichts vergessen und musste sicherstellen, dass alles an Board ist. Dann ging es schon los und wir waren schon auf dem 40 Minuten langen Flug zum Basecamp. Man fliegt durch eine unglaublich schöne Landschaft aus Schnee und Bergen und wird sich immer mehr bewusst, wie klein man ist und dass man nun echt weit weg von jeglicher Zivilisation in der Wildnis unterwegs ist.

Am Basecamp angekommen, ladet man alles aus dem Flugzeug aus und legt fest, wo die Zelte aufgebaut werden. Man lässt nicht viel Zeit verstreichen, weil es extrem kalt ist und man ohne Bewegung schnell auskühlen würde –  außer den Zelten und der Kleidung am Körper, gibt es jetzt keinen Schutz vor der Kälte mehr. Dann schaut man noch zu, wie das Flugzeug wegfliegt und dann ist es still…. Es wird einem klar:  Jetzt sind wir auf uns selbst gestellt…. Selbst in einem absoluten Notfall kann das Flugzeug uns hier nur bei guten Bedingungen wieder rausholen!

Die 2. Gruppe sollte eigentlich ca.2 Stunden später landen. Bis dahin würden wir schon die Zelte aufbauen und Wasser kochen. Eigentlich…. Wir sind hier aber in der Antarktis und schon kurz nachdem unser Flugzeug weg war, dachte ich mir: Bei dem Nebel, der hier aufzieht, wird kein Pilot mehr landen.  Und so war es dann auch – die 2. Gruppe durfte ihre Zelte auf dem Union Glacier wieder aufbauen und weiter warten, bis sich der Nebel verzieht.

Low Camp Mt. Vinson, Antarktis

Wir bauten unser Lager auf und verbrachten die erste Nacht im Base camp. Schnell fing etwas an, das wohl typisch für ein Lager ist, in dem Menschen nichts zu tun haben. Gerüchte… jemand sagt etwas, der nächste erfindet etwas dazu und erzählt es weiter und der Nächste hört es durch das Zelt vom Nachbarn und schon verteilen sich Gerüchte darüber, wie das Wetter wird, wann es Flüge gibt und andere Dinge, die in Wirklichkeit keiner wissen kann, weil es keinerlei Infos von Außerhalb gab, welche das Gerücht begründen hätte können.

So entstand in wenigen Stunden das Gerücht, dass falls die andere Gruppe nicht am nächsten Tag kommen würde, wir 2 getrennte Gruppen wären und allein losgehen würden. Geht man dann die Details durch, stellt man fest, dass das gar nicht so einfach möglich wäre… es hat auch niemand konkret so etwas gesagt. Es ist einfach irgendwie entstanden und sollte auch nicht das letzte Gerücht sein.

Die 2. Gruppe hat dann am nächsten Tag einen Flug bekommen während wir die erste wirklich kalte Nacht erlebten. Das Basecamp ist schon auf über 2000m Höhe, zwischen den Bergen und gelegentlich im Schatten dieser Berge gelegen. In diesem Schatten fallen die Temperaturen schnell um weitere 15° Celsius mehr, als in der Sonne. Kommt dann noch Wind dazu, liegt die gefühlte Temperatur schnell unter -55° Celsius. Solange man im Schlafsack liegt, ist das kein Problem – nur wer kurz aufs Klo möchte, muss das schon sehr gut planen!

Toilette Mt. Vinson, Antarktis

Toilette Mt. Vinson  mit Ausblick

Ich hab am ersten Tag gleich einen Fehler gemacht, aus dem man direkt lernt. Ich bin aus dem warmen Schlafsack heraus in meine warme Kleidung geschlüpft und wollte nur kurz pinkeln gehen. Dazu habe ich nur den isolierten Innenschuh meiner Bergschuhe angezogen, bin die 20m übers Schneefeld zum Peehole (so nennt man die stellen, an denen man pinkeln darf) gelaufen und dachte mir nicht viel, als die Beine gleich kalt wurden.

Insgesamt war ich keine 3 Minuten da draußen – meine Zehen waren aber sofort kalt und obwohl ich sofort wieder in den Warmen Schlafsack gekrochen bin, habe ich die Zehen für über 2 Stunden nicht mehr warm bekommen. Man kühlt in der Kälte extrem schnell aus und bekommt dann Finger und Zehen nicht mehr warm. Schmerz ist allerdings ein guter Lehrer – das ist mir nur einmal passiert.

Mt. Vinson, Antarktis

Das Wetter war an dem Tag sehr gut und mit der Ankunft der 2. Gruppe planten wir gleich den aufstieg ins Low-Camp. Es war wieder eine gewaltige Logistik dahinter, das ganze Gepäck auf alle Teilnehmer halbwegs fair zu verteilen. Jeder musste zu seinem eigenen Gepäck noch etwas vom Benzin, Essen und Zelte auf seinen Schlitten packen, den man anschließend auf dem langen Weg hinter sich herschleppen musste.

Innerhalb kürzester Zeit waren alle Zelte abgebaut und alles gepackt. Die Bergführer waren Profis und hatten alles sehr gut im Griff. Jetzt ging es los und man lernt recht schnell, dass es in der Antarktis keine Entfernungen gibt, die man abschätzen kann. Man hat keine Referenzen wie Bäume oder Gebäude, an denen man sagen könnte, wie lange der Weg ist. Man geht und geht und weil das Gepäck schwer ist und der Schlitten auch noch dauernd hängen bleibt, ist man sehr mit sich selbst beschäftigt.

Man sollte schauen, dass man nicht friert – schwitzen sollte man auch auf keinen Fall – ständig hat man das Seil um die Beine und gelegentlich stolpert man noch drüber. Mal geht es steiler rauf, mal ist es flach und immer wenn man nach vorne schaut, denkt man: „nur noch hier drüber“ oder „nur noch hier rauf – dann haben wir es“  – und es geht immer weiter und noch ein Hügel, noch eine Senke und irgendwie scheint es endlos zu sein. Es ist eine Schinderei und ein Kampf mit diesem Schlitten im Rücken und ich kann nach über 8 Stunden nicht versehen, wie die Entdecker früher Schlitten, die 3x schwerer waren, monatelang durch diese Eiswüste schleppen konnten.

Mt. Vinson, Antarktis

Im Low-Camp angekommen machten wir nur eine kurze Pause, bevor wir die Zelte und das Lager wieder aufbauten. Ich nutze die Gelegenheit, ein frisches und trockenes Unterhemd anzuziehen. Ich zog mein leicht verschwitztes Unterhemd aus und spürte sofort, wie intensiv die Sonne hier scheint. Es waren nur ein paar Sekunden, in denen mein Rücken der direkten Sonne ausgesetzt war, aber es fühlte sich sofort an, als würde der Rücken gebrutzelt werden. Sehr seltsam – aber ich denke, dass man sich hier in wenigen Minuten einen gewaltigen Sonnenbrand einfangen könnte.

Das frische Unterhemd fühlte sich sehr gut an und noch bevor ich eine Chance hatte, das andere, feuchte Unterhemd wegzupacken, war dies bockhart gefroren. Auf Union Glacier habe ich aber schon gelernt, was man mit nasser Kleidung macht: Man lässt sie einfach in der kalten Luft hängen. Die Trockene Luft nimmt das Eis auf und 12 Stunden später ist das Kleidungsstück zwar kalt aber das Eis ist weg – es ist praktisch komplett trocken.

Mt. Vinson, Antarktis

Im Lowcamp wussten wir, dass wir wahrscheinlich wieder einige Tage bleiben würden. Das Wetter war unbeständig und wir rechneten mit Wind und eventuell mit Sturm. Man fängt also an, es sich „gemütlich“ zu machen. Man stellt auch seine Solaranlage auf, damit man immer genug Akkus hat – wer schlau war, hat sich Filme, Bücher und Hörbücher aufs Handy geladen, denn außer Essen und Schlafen, gibt es hier wirklich nichts mehr zu tun.

Die Bergführer waren viel damit beschäftigt, Wasser zu kochen und das Lager am Laufen zu halten. Zwischendurch gab es so Highlights wie „Gearcheck“ oder „Brifing“. Sie hatten Funkkontakt zu Union Glacier und bekamen alle paar Stunden einen neuen Wetterbericht. Dazwischen gab es immer wieder die Campgerüchte, und es wurde schon zu einem Running-Gag, wenn man irgendjemandem im Camp begegnete, ob es schon ein Update zum letzten Gerücht geben würde.

Jede Wolke und jede Nebelschwade sowie jede Bewegung in den kleinen Camps der anderen Teams wurde als irgendwelche Deutung zur Erweiterung der Gerüchte verwendet. Irgendwann merkte man schon, dass einem die Bergführer aus dem Weg gingen und gar nicht mehr reden wollen – sie hatten keine Lust mehr, die Gerüchte über den nächsten Aufbruch oder das Wetter zu dementieren.

Es gab dann tatsächlich Brifings zu denen alle aus ihren Zelten kommen mussten, wo es dann hieß: „Es gibt nichts Neues – der Wind bleibt stark und wir bleiben im Zelt.“  Damit waren alle Gerüchte zerschlagen und mussten sich ganz neu entwickeln.

Im Lowcamp war man zwischen den Bergen und es gab einige Stunden, in denen man im Schatten dieser Berge war. Zu der Zeit war es extrem kalt im Camp. Zwischendurch kam noch etwas Wind dazu womit das Thermometer schnell unter -50° Celsius fiel. In diesen Stunden ging niemand aus dem Zelt. Man verkroch sich tief im Schlafsack und harrte die Zeit aus.

Innenseite vom Schlafsack

Innenseite vom Schlafsack – das Eis kommt von der Atemluft und ist im ganzen Zelt auf jeder Oberfläche

Als es klar wurde, dass es ein Wetterfenster gibt, mussten wir wieder umpacken. Ins Hochlager wurde nur noch das Nötigste für den Gipfeltag mitgenommen. Neben den Zelten und der passenden Kleidung auch nur noch Benzin und Essen für 3 Tage. Alles musste in die Rucksäcke passen da der Weg zum Hochlager über eine steile Schneewand führte und man keinen Schlitten mehr ziehen konnte.

Packen und aufbrechen war mit so einer großen Gruppe immer eine langwierige Sache. Ich war immer pünktlich fertig, während einige Teilnehmer gar kein Gefühl dafür hatten, wie lange es dauert, sich fertig zu machen, Zelte abzubrechen und alles zu verpacken. Es war insofern nervig, weil ich bereit war und schnell auskühlte, während die Anderen mit kleinsten Aufgaben überfordert waren.

Der Anstieg zum Hochlager hat mir Spaß gemacht. Ich habe mich direkt hinter den beiden stärksten Kletterern ins Fixseil eingeklemmt und konnte die ganze Zeit, mein eigenes Tempo gehen. Die beiden vor mir waren schnell weit weg und hinter mir war niemand mehr, der schneller war. Man arbeitet sich dann mit dem schweren Rucksack die ca.700 Höhenmeter am Fixseil hinauf, was vielleicht 5-6 Stunden dauert. Für einige im Team war es schon sehr anstrengend aber der härteste Teil folgte danach.

Mt. Vinson, Antarktis

Im Hintergrund ein Berg, der wie eine perfekte Pyramide ausschaut und schon für so manche Verschwörungstheorie herhalten musste.

Beim Ausstieg war man auf der Kante des Berges und hier wehte der Wind und es war sofort extrem kalt und äußerst unangenehm. Leicht verschwitzt kühlte man sofort aus – es ging da wirklich um Sekunden, dass man schnell die dicke Jacke und die dicken Handschuhe überzog.

Meine Nasenspitze habe ich schon am Vortag mit Tape abgeklebt und war jetzt wirklich froh darum. Es waren keine 20 Minuten, die ich warten musste, bis wir eine Gruppe hatten, mit der wir den nächsten Abschnitt angehen konnten aber mir wurde so kalt, wie noch nie im Leben zuvor.

Wir seilten uns zügig mit den ersten Leuten zu einer Gruppe zusammen und gingen dann mit diesem starken Gegenwind weiter. Die Brille war sofort vereist und wir waren im dichten Nebel unterwegs – ich konnte nur noch das Seil vor mir sehen, dem ich folgte und war am meisten damit beschäftigt, dass mir die Nase nicht abfriert. Es war einer der Momente, wo man einfach nur funktioniert und weiter geht – fast schon Survivalmode – Spaß war hier keiner mehr dabei.

Ein paar Stunden später waren wir im Hochlager – das noch Keines war. Bei dem Wind und der extremen Kälte mussten wir jetzt erst Zelte aufstellen. Die Bergführer fingen an und ich half so gut ich konnte. Die anderen Teilnehmer waren alle sofort im kleinen Mannschaftszelt verschwunden, das als erstes gebaut wurde. Ich half noch mit, die ersten Zelte aufzubauen aber der Wind, die Kälte und dass man das alles mit dicken Handschuhen machen musste, machten die Aufgabe extrem unangenehm. Es gibt von solchen Situationen keine Bilder oder Videos weil einfach niemand eine Kamera auspacken will oder seine Finger dem eisigen Wind aussetzen will.

Als mich der Bergführer dann aufforderte, ins 1. Zelt zu gehen und mich aufzuwärmen, ließ ich mich nicht 2x betteln. Im Zelt drin, legte ich gleich meine Matte aus und war erstaunt, wie viel wärmer es da drin war. Ohne Wind macht die Kälte nicht so viel aus – ich war sehr froh, dass ich mich jetzt etwas ausruhen konnte.

Im Hochlager hatte ich weniger Hunger – ein Nebeneffekt der Höhe – aber ich packte einen Landjäger, Haferriegel mit Caramel und einen Proteinriegel  in meine Brusttasche zum Auftauen, so dass ich die Sachen eine Stunde später essen konnte. Alles, was nicht am Körper getragen wird, ist gefroren und muss langsam am Körper aufgetaut werden. Auch mein Frühstück sah dann so aus. Dazu gab es nur noch Tee, in den ich meistens Vitamin-Brausetabletten gemischt hab.

Am Morgen wachte ich auf und ging vor das Zelt. Der Wind hat sich gelegt und ich erlebte einen wunderbaren Moment an dem Berg. Kaiserwetter mit einem Wahnsinns Ausblick auf die umliegende Landschaft. Es stand uns ein Gipfeltag mit besten Bedingungen bevor.

High Camp Mt. Vinson, Antarktis

Nicht jeder hatte eine gute Nacht und weil die Kälte jede Bewegung so mühsam macht, dauerte es noch 3 Stunden, bis wir losgehen konnten. Als Außenstehender kann man vermutlich nicht verstehen, warum es so lange dauern kann, sich anzuziehen, Teekanne zu füllen, Schuhe anzuziehen und sich ins Seil einzuhängen. Aber jeder dieser Schritte ist ein Gewaltakt. Die Luft ist dünn und z.B. Schuhe anziehen kann locker 20 Minuten lang dauern.

Der Aufstieg ist technisch sehr leicht. Man geht stundenlang über Gletscher und obwohl alles so nahe erscheint, ist alles sehr weit weg. Man kann Entfernungen nicht abschätzen, weil es keine Referenzpunkte gibt und so geht man und geht… man denkt bei jedem Hügel, dass man bald da sein müsste, um dann zu merken, dass es noch ein Hügel gibt und es noch weiter hinauf geht. Das letzte Stück war dann noch etwas steiler und ging dann in leichtes Felsengelände über, bevor man dann nach gut 10 Stunden am Gipfel stand. Die Höhe war schon deutlich zu spüren, bereitete mir aber keine Prbleme.

Mt. Vinson, Antarktis

Da man so weit vom Äquator entfernt ist und die Temperaturen so niedrig sind, ist die gefühlte Höhe weit höher als der Berg. Es fühlt sich schon eher so an, als wäre man auf deutlich über 6000m als auf den realen 4.800m. Ein Effekt, den man auch beim Bergsteigen in Alaska zu spüren bekommt.

Der Gipfel belohnte einen mit einem unglaublichen Ausblick über die Antarktis. Die Luft ist klar und man konnte unglaublich weit in die Ferne blicken. Es war windstill und wir konnten den Moment wirklich genießen. Die Ruhe und dass wir genug Zeit hatten, machte den Moment sehr speziell. Wir waren in der Saison die erste Gruppe und wir waren alleine am Gipfel – es war ein einzigartiger Moment.

On Top of Mt. Vinson, Antarktis

Der Gipfel ist allerdings nur ein Teil der Expedition. Jetzt muss man wieder zurück, wir sind immer noch sehr weit  von der Zivilisation entfernt und der Abstieg war der nächste große Teil der Expedition. Es war auch noch ungewiss, wie lange wir noch in der Wildnis sein würden, denn was ich vom Gipfel aus auch sehen konnte, war der Nebel in den Tälern und ich wusste, dass uns bei Nebel niemand abholen würde – aber wir würden ohnehin noch ein paar Tage brauchen. Deshalb dachte ich nicht weiter daran – jetzt ging es darum, sicher hinunterzukommen.

Am Gipfel des Mt. Vinson, Antarktis

Am Gipfel des Mt. Vinson, Antarktis

Nach insgesamt ca. 15 Stunden waren wir wieder im Hochlager, wo man niemanden betteln musste, sich hinzulegen und auszuruhen. Ich hörte die anderen Gruppen dann noch einige Stunden später im Lager ankommen, aber generell bin ich gut eingeschlafen und wurde erst am nächsten Morgen wieder munter.

Jetzt ging es wieder darum, das Lager einzupacken und sich auf den Abstieg zu machen. Es gab inzwischen eine gewisse Routine und so war ich mit der ersten Gruppe gleich im Abstieg bei den Fixseilen, an denen man sich selbstsichernd hinunter hangelte. Das klingt jetzt nicht schwer und ich dachte mir nicht viel dabei. Ich bin auch gleich voraus gegangen, aber schnell war klar, dass es mit dem schweren Rucksack auf dem Rücken, sehr wohl anstrengend sein würde!

Seil für Seil ging es nach unten und es schien kein Ende zu nehmen. Bei jedem Schritt stoßt man die großen Zehen in den Schuhen vorne an. Während ich nur einige Wochen lang blaue Zehen hatte, holten sich andere Teilnehmer bei der Aktion gewaltige Blasen an den Zehen, die ihnen später große Probleme beim weiteren Abstieg machten.

Ich schwitzte wie verrückt weil man die Jacke wegen dem Wind im oberen Teil anbehielt und danach nicht mehr ausziehen konnte, weil man in der Eiswand nicht einfach stehen bleiben konnte. Erst ganz unten konnte ich dann die Jacke ausziehen und zum Glück hatte ich noch ein frisches Unterhemd dabei, das ich am Ende der Seile anziehen konnte – das war eine Wohltat!

Nicht jeder Teilnehmer stellte sich geschickt an und weil das ganze Team genau über mir war, kamen am laufenden Band Dinge dahergeflogen. Man musste immer in Deckung gehen, wenn Wasserflaschen, Thermoskannen, Helme und Handschuhe den Berg herunterkamen.  Diese landeten weiter unten auf dem Gletscher und wurden – so weit möglich – danach wieder eingesammelt.

Nach dem Abstieg durch den Eishang ging es weiter ins Lowcamp, wo wieder das ganze Gepäck auf Schlitten umgepackt wurde. Man würde meinen, dass das einfach ist, aber die Teilnehmer waren zum Teil sehr erschöpft und müde. Sie bewegten sich nur sehr langsam und waren kaum in der Lage, die einfachen Aufgaben zu erledigen.

In diesen Momenten war ich um jede absolvierte Trainingsstunde in den Bergen und auf dem Laufband froh. Man merkte auch bei den anderen Teilnehmern, wer trainiert war und wer das Ganze unterschätzt hat. Jene, die fit waren, konnten aktiv mithelfen und packten auch die Schlitten der anderen, bevor sich eine Gruppe nach der anderen an den weiteren langen Abstieg machte.

Es war ein einfacher Abstieg, weil es fast immer leicht abwärts ging. Es war also nicht mehr schwer, die Schlitten zu ziehen, aber es war sehr lange und wir waren doch etwas müde. Einige Stunden später sahen wir dann schon das Basislager und es stand sogar ein Flugzeug da. Ich fantasierte schon davon, in wenigen Stunden ein Bier bei einem richtigen Abendessen zu genießen und ich steigerte mich richtig in den Gedanken hinein.

Es wäre aber auch zu schön gewesen, um wahr zu sein. Kurz, bevor wir das Lager erreichten, gingen die Motoren an und das Flugzeug startete durch. Es war nicht unser Flugzeug, sondern ein reiner Transportflug und während ich die Motoren noch in der Ferne hörte, sah ich auch den Nebel vom Tal heraufsteigen und wusste sofort, dass wir hier so schnell nicht wegkommen würden.

Mit dem Nebel kamen die extreme Kälte und die Gewissheit, dass wir jetzt wieder Zelte aufstellen und abwarten müssen. Es machte tatsächlich keinen Spaß mehr, aber es war notwendig, weil an dem Tag kein Flugzeug mehr landen könnte und uns der Ranger im Lager auch keine Hoffnung machen wollte. Er erzählte uns von Teams, die bis zu 14 Tage hier festsaßen, weil einfach kein Flugzeug landen konnte – und dass man es nie voraussagen konnte, wann sich ein Wetterfenster öffnen würde.

Man stellte sich also drauf ein, dass es dauern konnte und irgendwie fand ich es nicht weiter schlimm, weil mir eigentlich nichts fehlte. Klar – auf Union Glacier wäre es mit dem guten Essen schöner und logisch – zuhause auf dem Sofa wäre es auch gemütlicher aber die Ungewissheit macht so ein Abenteuer auch aus. Wäre alles fix planbar, wäre es Disneyland und kein Abenteuer.

Wir richteten uns also wieder ein Lager ein und warteten mit viel Hoffnung. Inzwischen war jeder von uns Meteorologe der Antarktis geworden und konnte jede Wolke und jede Nebelschwade deuten, womit der Weg für Lagergerüchte wieder frei war.

Irgendjemand fand heraus, wie er mit seinem Satelitentelefon eine sehr langsame aber funktionierende Internetverbindung herstellen konnte, mit der man einen Wetterbericht anfordern konnte – was die Gerüchte weiter anfeuerte.

Wenn Menschen nichts zu tun haben, fangen sie an, jedes noch so kleine Ereignis aufzublasen. Die Wetterkarte ladet unglaublich langsam – es dauerte sicher eine halbe Stunde, bis man das Bild sehen konnte aber während sich das Bild auf dem Smartphone aufbaute, ging es schon los… der Pfeil und die Wolke und dies und das…. Noch während die Webseite ladete, machten die Gerüchte die Runde, wo wohl ein Wetterfenster fürs Flugzeug wäre.

Weil es nichts zu tun hab, passte man auch den Ranger ab. Der kannte das schon und ließ sich kaum im Lager blicken. Einmal beobachtete ich, dass ihn jemand erwischte und ihm die Wetterkarte zeigte, auf die er sehr stolz war, da es von hier aus eigentlich keine Verbindung zur Welt nach draußen geben sollte – er kam sich vor, als hätte er das Feuer entdeckt.

Er zeigte also dem Ranger die Wetterkarte und der sagte ihm so was wie: „Kann gut sein, dass das Wetter hier passt aber damit der Pilot fliegen kann, muss es auch auf Union Glacier passen..“

Das war Sprengstoff für die Gerüchte, weil jetzt musste man nicht nur spekulieren, was die Nebelschwaden, die man von hier aus sehen konnten, wohl in den nächsten Stunden machen würden, sondern auch noch die Nebelschwaden, die man im 200km entfernten Union Glacier nicht sehe konnte.  Ich hab dann irgendwann gesagt: „Vertraut mir, wir sind Glückspilze – das Flugzeug kommt bald…“ mir erschien Glück irgendwie sicherer als das Deuten der Wolken in der Ferne.

Das System funktionierte folgendermaßen: Alle 3 Stunden sendete der Ranger ein Bild von der Umgebung zusammen mit einer Einschätzung der Lage an den Piloten. Der Ranger hatte eine Internerverbindung über Starklink, die aber nur er selbst nutzen durfte. Der Pilot musste dann entscheiden, ob die Lage nun ca. 2 Stunden lang stabil genug ist, um hinzufliegen und wieder sicher auf Union Glacier landen zu können. Ein Fehlversuch kostete ein Vermögen, weshalb es das zu vermeiden galt.

Gleichzeitig hatten die Logistiker großes Interesse, uns auf einen bestimmten Termin auf den Flug zurück nach Chile zu bekommen. Es gab nur alle 6 Tage einen Flug und es kostete auch ein Vermögen, 20 Bergsteiger 6 Tage lang auf Union Glacier durchzufüttern.

Sicherheit geht jedoch voran und deshalb hatte der Pilot immer das letzte Wort. Alle 3 Stunden schaute man gespannt zum Ranger hinüber und stand er nicht auf die Minute pünktlich bereit, um das Bild zu machen, war das schon wieder ein Grund für ein Gerücht.

Basecamp Mt. Vinson, Antarktis

Basecamp Mt. Vinson, Antarktis

Irgendwann hieß es dann, dass der Pilot fliegen kann und wir in 1 Stunde bereit zum Abflug sein müssen. Das war das Einzige mal, dass alle pünktlich fertig waren. Jeder war hochmotiviert, diesen Flug nicht zu verpassen und es war wie Musik in den Ohren als die beiden Flieger in kurzem Abstand hintereinander landeten.

Wir halfen noch alle mit, die Maschinen zu entladen, in denen Material fürs Basislager geladen war. Dann ging es los uns und wir verabschiedeten uns von dieser entlegenen Region der Erde. Die Berge und die Landschaft zeigten sich noch einmal von ihrer schönsten Seite und im Gedanken bewunderte ich jene Abenteurer, die vor 100 Jahren ihren Weg durch diese Wildnis suchen mussten, um den Südpol zu finden. Was für eine Leistung – unglaublich!

Auf Union Glacier angekommen gab es als erstes ein richtiges Essen und die Gewissheit, dass wir noch am selben Abend den Flug nach Punta Arenas erreichen würden.

Einige Teammitglieder blieben noch hier – sie wollten noch „The Last Degree“ machen, bei dem man vom 89° Grad bis zum Südpol – etwas über 100km – mit Skiern geht.

Es waren nicht gerade die stärksten Teammitglieder, die sich dieser Herausforderung stellten und es stellte sich heraus, dass sie stark an ihr Limit kamen. Sie waren noch weitere 8 Tage unterwegs, was normalerweise 4-5 Tage dauert. Mich hat das nicht mehr gereizt – ich hatte genug von der Kälte. Ich wollte nur noch eine richtige Dusche, gutes Essen und ein ordentliches Bett. Vor allem wollte ich Weihnachten bei der Familie zu Hause verbringen und nicht am Ende der Welt an einem Eiszapfel lutschen während es daheim feinen Wein aus der Toskana gibt.

Es war mir alles noch am selben Abend vergönnt und bei einem Bier mehr als notwendig, ließen wir den Abend ausklingen.

Insgesamt kann ich sagen, dass wir ein perfektes Abenteuer erlebt haben. Wir hatten Glück mit dem Wetter und den Bedingungen. Es gab die Momente, wo sich die Antarktis von ihrer kalten Seite zeigte, ohne damit zu übertreiben und ich hatte das Glück, mit erfahrenen Bergsteigern unterwegs zu sein. Wir konnten die Extremen der Wildnis erleben und die wunderbaren Momente in der Natur genießen. Es ist ein außergewöhnlicher und spezieller Ort, an den nicht viele Menschen jemals hinkommen werden und den es lohnt zu schützen.

Mein Dank gilt ALE, Furtenbach Adventures und unseren erfahrenen Bergführern ohne die dieses einmalige Erlebnis nie möglich gewesen wäre.