Martin-Schranz-Zero-G-Bild01

Zero-G – Astronaut für einen Tag

Im Juni 2018 bekam ich die einmalige Gelegenheit, an einem Astronautentraining mit einem Zero-G Flug am Ende teilzunehmen. Das Interesse hat eine sogenannte Masterclass (masterclass.com) von Chris Hadfield ausgelöst. Er war der erste kanadische Astronaut und als Abenteurer klebte ich von der ersten Minute förmlich an seinen Lippen.

Mit offenem Mund hörte ich seine Geschichten, seine Erlebnisse und mit wie viel Leidenschaft er Astronaut geworden ist. Er faszinierte mich vom ersten Moment an – auch deshalb, weil er genau das im Leben erreicht hatte, was er wollte. Das ist absolut bewundernswert. Solchen Menschen zuzuhören, ist immer faszinierend, auch wenn man kein Astronaut werden möchte.

Mit einem Zero-G – einem Mikrogravitationsflug – in einem Airbus A 310 konnte ich dem Gefühl eines Astronauten am nächsten kommen. Deshalb konnte ich mir diese einmalige Gelegenheit nicht entgehen lassen!

Das Training beginnt am ersten Tag mit einer umfangreichen Einführung und einem Sicherheitstraining. Anwesend waren auch die beiden Astronauten Jeand-Francois Clervoy aus Frankreich und dem ersten schweizer Astronauten, Claude Nicollier – im folgenden Bild zur rechten Seite.

Martin-Schranz-Zero-G-Bild02

Das großartige Team von NoveSpace und DoveSpace organisiert den ganzen Ablauf, der eine Vorbereitungszeit von über einem Jahr bedarf. So musste sich jeder Teilnehmer einer umfangreichen medizinischen Untersuchung unterziehen.

Die Flüge mit dem Airbus werden immer in Begleitung von wissenschaftlichen Experimenten gemacht. Genau genommen dienen wir als Abenteurer – sogenannte Explorer – der Wissenschaft, indem wir diese Flüge zum Spaß buchen. Damit werden bis zu 65% der wissenschaftlichen Experimente finanziert. Erst, als ich das erfahren hatte, verstand ich, weshalb die Wissenschaftler uns Explorern an Board so dankbar waren.

Es war sehr interessant, was in diesen wenigen Sekunden Schwerelosigkeit alles wissenschaftlich untersucht werden kann. Es waren Wissenschaftler aus China, Israel und der Schweiz anwesend. Ein Team hatte sogar schon Experimente auf der ISS laufen. Alleine deren Apparaturen zu sehen, war faszinierend!

Falls jemand verrückt genug ist: Wer es schafft, 40 Teilnehmer zusammen zu trommeln, kann seinen exklusiven Zero-G Flug bekommen. Die Kosten pro Nase belaufen sich allerdings auf ca. 7.000,- Euro pro Teilnehmer!

Was für Menschen erwarten einen hier? Welche Menschen nehmen an so einem Erlebnis teil?

Man erwartet vermutlich Weltraumenthusiasten oder angehende Astronauten. Damit liegt man völlig daneben. In meiner Gruppe war der Ex-Chef vom Flughafen Zürich, eine Familie aus Asien mit Eltern und Kindern, ein 75 Jahre alter Herr und junge Sportler. Das Einzige, was alle gemeinsam hatten, war die Lust auf Abenteuer!

Martin-Schranz-Zero-G-Bild03

Das gesamte Erlebnis: Programmablauf

Am ersten Tag bekommt man auch den Anzug und diese tollen gelben oder pinken Socken. Die Anzüge sind zu groß geschnitten. Entweder man hat eine breite Schulter oder man hat Hochwasserhosen – aber es ist kein Schönheitswettbewerb, sondern ein Abenteuer. Den Patch für die Mission kann man vor Ort selber aufbügeln. Eine gute Gelegenheit, die anderen Teilnehmer kennenzulernen und ins Gespräch zu kommen.

Der große Tag startet um 8 Uhr und nach einer Sicherheitskontrolle bekommt man die Medizin, damit einem nicht schlecht wird. Obwohl mir noch nie schlecht wurde – auch nicht bei Akrobatik Flügen – haben mir beide Astronauten empfohlen, die Medikamente zu nehmen. Sie selber vertragen zwar viel, allerdings lässt der Wechsel zwischen schwerelos und 2G fast keinen Magen ruhig bleiben. Also nahm auch ich die Medikamente.

Beim Start bekamen wir gleich einen Slot, der 1,5 Stunden später war, als geplant. Was für ein Glück, dass der Ex-Chef vom Flughafen Zürich als Explorer mit an Board war. Dank ein paar SMS  konnten wir sofort mit dem Flug hinunter zum Mittelmeer starten.

Auf dem Mittelmeer zwischen Italien und Korsika fand unser Erlebnis statt. Man kann die Gefühle und das diesen Tag nur theoretisch beschreiben. Was man erlebt, ist so einzigartig, dass man dabei sein muss, um es zu verstehen.

Der Ablauf startet mit der Ankündigung, in wie vielen Sekunden es los geht, damit man sich in Position bringen kann. 10 Sekunden vor dem Start spürt man die Beschleunigung vom Flugzeug. Dann zieht der Pilot hoch und man ist sofort einer 2G Belastung ausgesetzt. Wer jetzt den Kopf bewegt, wird Sekunden später kotzen…. das wird einem mehrfach gesagt und selbst erprobte Astronauten halten den Kopf still. In unserer Gruppen wollten 3 Teilnehmer cooler sein… reden, Witze machen und eben – den Kopf bewegen. Ihr Spaß endete schnell – direkt in den Beutel kotzen und ab nach hinten auf die Sitze… der ganze Spaß vorbei, nur weil sie cool sein wollten.

Also bei der 2G-Belastung die Augen schließen oder einen Punkt fixieren und nicht bewegen. Diese Phase dauert 20 Sekunden lang. Wer sportlich ist, kann auch sitzen oder stehen. Ich bin G-erprobt, muss aber dazu sagen, dass einem diese 2G-Belastung nach 10 Sekunden das Blut ordentlich aus dem Kopf zieht. Ich habe es zwei Mal im Stehen versucht – der Nachteil ist der, dass man beim Eintreten der Schwerelosigkeit einfach zu viel Zeit braucht, um wieder klar zu werden. Dazu gleich mehr.

Schwebend durch das Flugzeug

5 Sekunden vor der Schwerelosigkeit kommt die Ankündigung. 20, 50, Ignition… und dann ist einem erst einmal extrem schwindelig. Das dauert 2 -3 Sekunden lang. Am besten bewusst die Augen geschlossen halten und auf 5 zählen. Und schon findet man sich mitten im Flugzeug fliegend, irgendwo zwischen anderen Teilnehmern wieder.

Man lernt im Training, dass es gefährlich ist, sich zu bewegen. Man kann nicht schwimmen oder durch Armbewegungen voran kommen. Man kann sich nur treiben lassen. Trifft man auf eine Wand, kann man sich abstoßen – wer das zu schnell macht, knallt voll an die Wand gegenüber. Am besten sollte man einfach nichts machen und sich entspannt treiben lassen. Man kann eine Sitzhaltung einnehmen oder Superman spielen. Alles macht Spaß, solange man sich nicht verkrampft oder versucht, mit irgendwelchen Bewegungen irgendetwas zu erreichen. Treiben lassen.. relaxen und den Moment genießen!!

Schwerelos zu schweben ist absolut einzigartig und unvorstellbar, wenn man es nicht selber erlebt hat! Man ist bis zu 25 Sekunden absolut schwerelos und jede Sekunde ist ein unglaubliches Erlebnis. Es ist total surreal, wenn man erst auf den Boden gedrückt wird und dann schwebt. Dazwischen ist einem kurz schwindelig und wer am Vorabend seinen Körper mit Alkohol oder am selben Tag mit Zigaretten geschwächt hat, wird das an dieser Stelle sehr bereuen. Das maximale Erlebnis hat man, wenn man nicht versucht, cool und lässig zu sein, sondern einfach macht, was der Instruktor sagt.

Bei insgesamt 14 Parabeln hat man Gelegenheit herauszufinden, wie cool man ist. Man muss es also nicht gleich am Anfang testen!

Einige Sekunden vor dem Ende, wird angekündigt, dass es vorbei ist. Man versucht, sich irgendwo zu halten oder in Richtung Boden abzustoßen. Ganz langsam kommt dann die Gravitation wieder zurück – man wird direkt in den Boden gedrückt und wer das im Stehen machen möchte, wird gleich wieder dran erinnert: Kopf nicht bewegen – Augen schließen oder Punkt fixieren.

Gravitation von Mars und Mond

Einzigartig auf unserem Flug war, dass wir die ersten Teilnehmer an einem solchen Kurs waren, die auch die Gravitation von Mars und Mond erleben durften. Diese Gravitation ist ca. 0,3- 0,4G. Man kann also locker Saltos machen, Liegestütze auf einer Hand üben oder zwischen diesen drei Mal klatschen. Wirklich witzig sieht es dann auf den Videos aus!

Was man fühlt, ist kaum zu beschreiben. Man muss es selber erleben!

Ich kann nur dem gesamten Team ein großes Dankeschön aussprechen. Alle waren wirklich sehr bemüht, uns ein einmaliges Erlebnis möglich zu machen. Alles wurde sehr professionell aufgezogen und durchgeführt.

Ich selber werde es ganz bestimmt wieder machen!

Insider Tipp: Zero-G bekommt man auch in den USA und in Russland. Bei uns hier ist es am teuersten, in Russland werden jedoch nur 10 statt 14 Parabeln geflogen und in USA sind die Flugzeuge viel kleiner und älter. Der große Innenraum ist beim Schweben sehr wertvoll!

Martin-Schranz-Zero-G-Bild04