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Abenteuer Kilimanjaro – Pole Pole

Also ein Kind der Berge hatte ich immer schon eine Verbindung zu den Bergen. Beim Felsenklettern hatte ich mir vor einigen Jahren einen Fersenbeinbruch zugezogen. Seiter ist mir das Klettern in Felsen wegen dem verformten Fersenbein nicht mehr gut möglich.

Lange schon hatte ich die Idee einige Berge der 7 Summits zu besteigen. Das sind die jeweils höchsten Berge des jeweiligen Kontinents. Je nachdem wie man es bewertet, ist es in Europa der Mont Blanc (4810) und/oder der Elbrus (5642m) im Kaukasus, dem Kilimanjaro (5.895m) in Tansania und dem Anconcagua (6962m) welche ich als Berge ermittelt habe, die ich mit meinen Fähigkeiten und Training besteigen kann.

Wegen der Situation um Corona hatte ich viel Zeit zu Hause und um Pläne zu schmiden. Zufällig bin ich auf eine Anzeige gestoßen, wo die Firma Aktivferien AG einen Infoabend in meiner Nähe veranstaltete, wo es um die Besteigung des Kilimanjaro ging.

Ich bin spontan hin gegangen und war begeistert, weil es neben der Besteigung auch eine mehrtätige Safari im Programm gab. Und noch mehr war ich überrascht, dass man trotz Corona ins Land reisen konnte und dass wegen dieser Situation praktisch kaum ein Tourist im Land war und wir den Berg für uns Exklusiv hatten, veranlasste mich dazu, sofort zu buchen. Exklusivität ist genau mein Stil – so was wird es nie wieder geben!

Ich hatte noch 2 Wochen Vorbereitung, um die Ausrüstung zu organisieren die mir zum Teil noch fehlte und ein wenig zu trainieren. Dann ging es schon los.

Kilimanjaro Besteigung

Wir waren eine kleine Gruppe aus nur 7 Teilnehmern und einem Schweizer Bergführer.

Die Anreise war sehr langwierig. Wir mussten 3x Umsteigen und hatten jeweils bis zu 7 Stunden Layover und eine Reisezeit von 33 Stunden, was unter normalen Umständen nur 12 Stunden dauerte.

Wir wählten die Mandara Route – nur eine Route von vielen, die zum Gipfel führt. Alles war gut organisiert. Es gab viele Träger und Köche, die unsere Sachen – und die Nahrungsmittel – in die Camps hinauftrugen, so dass wir nur den Tagesrucksack tragen mussten.

Im Schnitt hat jeder Bergsteiger 2-3 Locals, die das Unternehmen Supporten. Es geht dabei nicht um Effizienz und es wären absolut nicht so viele Träger notwendig – es geht darum, möglichst viele Menschen am Berg zu beschäftigen. So gibt es z.B. für jede Gruppe immer 3 Köche, obwohl das locker Einer für 5 Gruppen erledigen könnte. Es gibt auch für jede Gruppe (und oft sind da viele Gruppen am Berg) der täglich 3 frische Papaya und Suppengemüse in die Berghütten bringt. Es geht nur darum, möglichst vielen Menschen eine Beschäftigung und damit ein Einkommen zu ermöglichen, was für das Land sehr wichtig ist.

Das Erste, was man sofort lernt: „Pole Pole“ was so viel heißt wie: Langsam – Langsam. Wer auf hohe Berge gehen will, muss von unten an langsam laufen und ich meine damit – sehr langsam. Gemächlich ein Bein vor das Andere und immer tief atmen.

Was die Besteigung des Kilimanjaro so besonders macht ist, dass man durch alle Vegetationszonen wandert. Am Start ist man am ersten Tag im tiefen Regenwald, wo man auch noch auf viele seltene Primaten und viele andere Tiere trifft. Die Mandara Hütte ist das Ziel des ersten Tages. Sie liegt noch im Regenwald auf 2700m.

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Man bekommt wirklich überraschend gutes Essen serviert. Darüber war ich am meisten überrascht um ganz ehrlich zu sein!

Am nächsten Tag absolviert man den 11km langen Aufstieg zur Horombu Hütte. Man durchläuft wieder neue Vegetationszonen, bis man auf der Hütte auf ca. 3.700m angelangt ist. Hier ist die Luft nun deutlich dünner und schnelle Bewegungen rächen sich sofort in Schwindel und können durchaus zu Übelkeit bis hin zur akuten Höhenkrankheit führen.

Man ist ab jetzt auf alles sehr empfindlich. Ob Kälte oder Wohlbefinden – der Körper reagiert sehr sensibel in dieser Höhe. Deshalb bleibt man auf dieser Höhe zur Akklimatisation für einen weiteren Tag, an dem man nur eine kurze Tour zur Akklimatisierung unternimmt.

Auf der Horombu Hütte spürten wir die Exklusivität der Reise. Wo sich normalerweise bis zu 500 Bergsteiger tummeln, waren wir die einzige Gruppe. Niemand hatte diesen Ort jemals so exklusiv erlebt, wie wir. Ich bin Corona sehr dankbar dafür!

Am 4. Tag geht es dann weiter zur Kibo Hütte auf 4.700m. Man wandert durch eine Landschaft ohne Vegetation – als würde man auf dem Mars spazieren gehen. Die Sonne ist sehr intensiv und die Luft sehr dünn. Man kann sich ab hier gar nicht mehr schnell bewegen. Egal, was man macht – man bewegt sich sehr langsam und atmet praktisch bei jeder Bewegung als würde man einen Marathon laufen.

Nach dem Abendessen legen sich alle kurz hin denn um Mitternacht geht es los. Nach einem Tee und einer Suppe – sofern man überhaupt noch etwas in der Höhe essen kann, setzt sich die Gruppe um 1 Uhr in Bewegung. Es ist sehr kalt, leicht windig und hat überhaupt nichts mehr mit den Wanderungen an den Tagen davor zu tun.

Jede Stunde gibt es keine sehr kurze Pause, um etwas Tee zu trinken und etwas Schokolade oder Traubenzucker zu essen. Nach der 2. Pause musste eine Teilnehmerin schon aufgeben und zurück gehen – sie wurde von der Höhenkrankheit eingeholt. Kurz danach setzte eisig kalter und feuchter Wind ein – in kurzer Zeit waren wir komplett vereist und es wurde unerwartet extrem kalt.
Pro Schritt musste man einmal ganz tief ein- und ausatmen. Man bemerkt mit der Zeit nicht mehr, was um einen herum passiert. Man fokussiert sich auf das Atmen und den nächsten Schritt. Das Zeitgefühl verschwindet und es wird immer kälter.

Zwischendurch drehte ich mich zu meinem Bruder um. Ich habe gefragt, ob es ihm gut geht wegen der Höhe, dem starken Wind und der Kälte. Er sagte nur: „Jetzt sind wir im Abenteuer angekommen.“

Es fühlte sich auch so an und weil er das als erfahrener Bergsteiger sagte, hatte es in dem Moment eine besondere Gewichtung. Es geht dann stundenlang so weiter und erfordert einiges an Leidensfähigkeit, weil der Kopf und der Körper diesen Mangel an Sauerstoff und die Anstrengung nicht wollen, sagt jede Zelle: umdrehen – aufhören-es reicht!

Von außen betrachtet klingt das einfach aber in der Situation drin ist es, wie wenn man einem die Luft abdrückt. Es ist sehr akut, wenn man fast erstickt und durchhalten wird zur echten Tortur.

Den ersten markanten Punkt, den man erreicht, ist der Gillmans Point und dann der Stella Point. Beides Punkte, deren besonderen Bedeutung ich in dem Moment nicht verstanden hab weil ich so litt, dass auch ich ans Aufgeben dachte. Der Wind war dort oben extrem kalt und meine Finger waren so starr, dass ich meine Teeflasche nicht mehr aufmachen konnte – die Nase tat so weh, dass ich schon Sorge wegen Erfrierungen hatte und man stellt sich ernsthaft die Frage: Warum machen Menschen so etwas freiwillig?

Den Uhuru Peak erreichen wir kurz vor 7 Uhr. Dank der ersten Sonnenstrahlen wurde es gleich etwas angenehmer. Alle waren sichtlich gezeichnet und erschöpft. Zu dem Zeitpunkt war mir klar: wer behauptet, dass der Kilimanjaro ein einfacher Berg ist, hat entweder keine Ahnung vom Höhenbergsteigen oder er war noch nie hier oben. Punkt!

Nur weil es technisch einfach ist, heißt es nicht, dass es alle schaffen. Im Schnitt schaffen den Aufstieg nur ca. 70% jener, die es versuchen.

Der Abstieg war dann sehr leicht. Nur 2 Stunden später waren wir schon wieder auf der Kibo Hütte. Am selben Tag ging es noch weiter zur Horombu Hütte zur Übernachtung. Während man am ersten Tag auf der Höhe nicht gut schlafen konnte, schiefen wir in der Nacht alle wie die Engel.

Am darauffolgenden Tag gingen wir ganz hinunter und feierten den Erfolg. Es gab ein Kilimanjaro Bier. Was keiner auf der Uhr hatte war, wie schnell der Alkohol seine Wirkung nach so einer Plaggerei entfaltete – aber es war in Ordnung. Wir hatten Spaß.

Die Tage darauf gingen wir dann auf Safari. Erst in den Ngorugoru Krater mit Übernachtung in der Wildnis und dann noch 2 Tage lang in den Tarangire Nationalpark. Man bekommt in den beiden Parks alle Großwildarten und unzählige andere Tierarten hautnah zu sehen. Ein wirklich einzigartiges Erlebnis welches wir auch exklusiv erlebten. Ich habe nur die riesigen Parkplätze in den Parks gesehen, wo normalerweise bis zu 200 Busse und Jeeps parkten. Wir haben die ganze Zeit über nur einen Bus mit Schulkindern aus Tansania gesehen.

Das ganze Erlebnis hat Lust auf mehr gemacht und so habe ich schon neue Pläne geschmiedet. Ich kann diese Reise jedem nur wärmstens empfehlen. Wer nicht Bergsteigen will, kann in Tansania auch wunderbar auf Safari gehen und diese freundlichen Menschen persönlich erleben. Es war eine ganz besondere Erlebnisreise, welche vom Team von Aktivferien AG bis ins Detail bestens organisiert wurde, bei dem ich mich an der Stelle wärmstens bedanken möchte.